TroubadixRhenus hat geschrieben:Nach ein paar Jahren, wenn die Inselstrecke richtig brummt, weiter nach Engers? Bis dahin wäre die Weiche in Engers auch weg gewesen, möglicherweise auch neue Stellwerkstechnik installiert (Estw), was eine Anbindung nochmal unwahrscheinlicher macht.
Scheinbar wurde ich falsch verstanden. Ich will ja hier auch nicht den Klugscheißer spielen, habe jedoch seit 15 Jahren eigene Erfahrung im Betrieb von Eisenbahninfrastruktur, also sozusagen 1-Hand-Erfahrung. Und es gibt gute Gründe, warum wir 2014 das Handtuch für den Betrieb in RLP geschmissen haben (und diese waren nicht vorrangig finanzieller Natur).
Dass eine durchgehende Verbindung nach Engers sinnvoll ist, steht doch völlig außer Frage. Natürlich ist alles andere hinderlich und eine Stichstrecke, die dazu über Staffel - Siershahn nur sehr "hakelig" zu erreichen ist, ist nicht erstrebenswert.
Bei all diesen bahntechnisch völlig unstrittigen Fakten muss man doch immer die politischen Realitäten sehen. Natürlich kann man die Bahnkreuzung des Kreisverkehrs erzwingen und natürlich wird diese Sache kostenmäßig mit dem Straßenbaulastträger nach Hause gehen, denn die Bahn war vor der Straße da, aber genauso gut kann man vom amtierenden US Präsidenten erwarten, eine gemäßigte Politik zu machen ... .
Man kämpft doch dann gegen Behörden und öffentliche Institutionen wie z.B. den LBM, die vor allem finanziell einen kilometerlangen Atem haben. Denen ist das sch....egal, wenn sich das jahrelang hinzieht, im Gegenteil, man wird das sogar fördern, denn solange gibt es keine Rechtskraft und solange verhungert der Betreiber am ausgestreckten Arm.
Und selbst wenn man in 10 Jahren in letzter Instanz gewonnen hat und 1 Mio EUR ärmer ist, hat man im Rathaus erbitterte Feinde sitzen. Ein Tropfen Öl irgendwo, ein Hammerschlag nach 20 Uhr - schon steht das blau-silberne Auto mit den netten blau gekleideten Leuten vor der Tür. Es wäre ein Pyrrhussieg.
Lange Rede - kurzer Sinn: Wenn man 100% nicht bekommen kann, weil es politisch ein klarer Suizidversuch ist, dann solle man über einen Plan B nachdenken. Mir ist aus 1. Hand Informationen aus Bendorf bekannt, dass man die Brex Sayn - Grenzau oder - Siershahn sehr gerne hätte, aber dass man von Anfang an gegen die Wiederanbindung in Engers war (zumindest gegen die Kreuzung des Kreisels). 90% wären ja auch schon nicht schlecht. Das Dumme ist jetzt nur: Man hat den Rat und die Kommunalpolitik gänzlich gegen die Sache aufgebracht und Wohlwollen, das zumindest bei einigen politisch verantwortlichen Personen vorhanden war, verspielt.
Zur Anschlussweiche: Es steht nirgendwo, dass man diese nicht auch erhalten kann, ohne den Kreisel in Bendorf zu kreuzen. Man kann mit der DB Netz einen EIAV abschließen, auch wenn dieser dann bestenfalls als kurzes Stumpfgleis genutzt wird (im Raum Koblenz vmtl. sogar an private EVU durchaus als Abstellfläche vermarktbar). Klar - alles nicht toll und auch kostspielig, aber eine Politik ausgerichtet nach dem, was möglich und durchsetzbar ist.
Zum Thema "Brummen" des Betriebs: Wenn es im Hunsrück im "Outback" gelingt, in einem Jahr 30.000 Fahrgäste auf eine schöne, aber eigentlich recht unspektakuläre Ausflugsbahn zu ziehen, dann kann die Brex dank ihrer Lage im Rheintal im Ballungsraum Koblenz ein Vielfaches davon erreichen. Und solche Erfolge machen dann bei den Verantwortlichen vor Ort durchaus Eindruck, was wiederum den Denkprozess der Herrschaften ankurbelt.
TroubadixRhenus hat geschrieben:Und eine dann jahrelang "eingefahrene" Strasseninfrastruktur nochmal anpacken und alles für Millionen wieder Umbauen? Damit hätte man vermutlich gute Chancen in TV-Sendungen wie "Extra3 - der Irrsinn der Woche" zu landen.
Gut gemachte politische Satire ist klasse. Da bin ich dabei. In der Tat hätte diese Sache Chancen auf eine Aufarbeitung beim "Irrsinn der Woche", aber das wäre bei einem Umbau heute ebenso wie in einigen Jahren. Man müsste den Kreisel mit einer aufwendigen Ampelanlage ausrüsten. Das wird dann aber den Reichsbedenkenträgern in Mainz nicht passen, weil ja niveaugleiche Kreuzungen nicht mehr genehmigt werden sollen. Eine Brückenlösung ist vor Ort baulich kaum möglich, ganz von den Kosten abgesehen. Also doch niveaugleich mit Ausnahmegenehmigung, die man sich hätte erstreiten müssen. Ein ganz dickes und ganz hartes Brett, was da zu bohren ist.
Wissend um diese Umstände ist es um so unverständlicher, dass man diese Forderung nicht zunächst zurückgehalten hat um den Rest der Strecke in Betrieb zu nehmen. Nun wird es ein Mehrfrontenkrieg und die gehen meist nicht gut aus. Als fast-Anlieger der Strecke mit meinem Geburtsort Neuwied und meiner Verbundenheit zum Brexbachtal kommen mir beinahe die Tränen, wenn ich über das zerdepperte Porzellan nachdenke.