"Einstürzende Dachsbauten": DB sperrt mehrere Strecken in der Pfalz

Fotos von außerhalb unserer Region. Hier ist auch Platz für Sammelbeiträge, die mehrere Strecken umfassen (z. B. Rückblicke).
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eta176
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"Einstürzende Dachsbauten": DB sperrt mehrere Strecken in der Pfalz

Beitrag von eta176 »

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Verkehrsmeldung des Zweckverbands ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd vom 11.03.2025 | 12:03 Uhr

Dachsbauten im Bahndamm:
DB InfraGo sperrt kurzfristig die Bahnstrecke Deidesheim – Bad Dürkheim

Damit auch Zugausfälle zwischen Bad Dürkheim und Freinsheim und geänderte Fahrpläne
zwischen Deidesheim und Neustadt/W | Deutliche Kritik am Vorgehen der Deutschen Bahn |
Kein Zugverkehr vom 17. März bis mind. Mitte Dezember 2025 | Ersatzverkehr mit Bussen
konnte nicht durchgeplant werden


Kaiserslautern/Bad Dürkheim, 11 März 2025: Mit deutlicher Kritik an der DB InfraGo reagiert der
Zweckverband ÖPNV Rheinland-Pfalz Süd auf die Ankündigung der Deutschen Bahn, die DB-Strecke
Bad Dürkheim – Deidesheim, nun vorzeitig ab dem 17. März 2025 voll zu sperren. Ursprünglich war
geplant, den Zugverkehr ab dem 11. Juli 2025, also rund drei Monate später, auf einen SEV umzu-
stellen, um den durch Dachsbauten instabilen Bahndamm bei Wachenheim bis Mitte Dezember 2025
zu sanieren.

Die Kritik des ZÖPNV setzt an zwei Punkten an:
Die späte Information darüber, dass sich die Situation zugespitzt hat und die offenkundig vernachläs-
sigte Vorbereitung der Sanierung, die nun zu einer weiteren Verlängerung der Sperrphase führen könnte.

Ab 17. März bis mindestens Mitte Dezember kein Zugverkehr | Stolperstart für das Ersatzkonzept
mit Bussen vorprogrammiert

Vorgesehen ist, dass anstelle der Züge zwischen Deidesheim und Bad Dürkheim halbstündlich Busse ver-
kehren, die bis Freinsheim und dann stündlich, bis Grünstadt durchfahren. Der Grund hierfür ist, dass
der Zugverkehr zwischen Freinsheim und Bad Dürkheim aus betrieblichen Gründen erheblich eingeschränkt
werden muss, weil durch die Streckenunterbrechung die Fahrzeug- und Personaleinsätze aufwändiger wer-
den. Stand heute können aber zwischen Bad Dürkheim und Freinsheim einige wenige Züge für den Berufs-
und Schülerverkehr angeboten werden.

Der Zugverkehr zwischen Ramsen/Monsheim - Grünstadt, Freinsheim und Frankenthal ist nicht betroffen
und sollte planmäßig verkehren können. Auch zwischen Neustadt (Weinstr.) und Deidesheim verkehren die
Züge, in Richtung Neustadt (Weinstr) allerdings in einem geänderten Fahrplan.

Für die Kund:innen bedeutet die vorgezogene Sperrung nicht nur, dass zunächst neun Monate kein Zug fährt,
sondern auch, dass es den Planer:innen bei der DB Regio, den Busunternehmen und dem ZÖPNV Süd gar nicht
mehr möglich war, das Buskonzept in Detail auszuplanen. Deshalb ist ein Stolperstart für das Ersatzkonzept
vorprogrammiert. Die Busfahrzeiten konnten nicht getestet werden, die Festlegung der Haltestellen ist nicht
abgeschlossen, mögliche Straßenbaumaßnahmen mit Umleitungen konnten noch nicht abgefragt und in den
Fahrplänen berücksichtigt werden. Ob die nötige Anzahl an Bussen und Fahrpersonal nun schon drei Monate
vorher zur Verfügung steht, ist nicht garantiert.

Aufgrund der Kurzfristigkeit der Streckensperrung ist auch eine sachgerechte Kundeninformation schwierig.
Die DB Regio wird daher auf Initiative des ZÖPNV Süd ab Ende dieser Woche die Kunden in den Zügen über die
bevorstehende Streckensperrung informieren.
Der Zweckverband bittet die Kunden um Verständnis dafür, dass die in aller Eile erstellten Fahrpläne nun Zug
um Zug in die Online-Auskunftssysteme eingepflegt, aber auch noch nachgebessert werden müssen.
Im Internet können die Ersatzfahrpläne ab Ende dieser Woche auf den Seiten der DB AG und unter www.rolph.de
eingesehen werden. Sie werden dort auch bedarfsweise aktualisiert.
Ergänzend noch der Hinweis, dass die Radmitnahme in den Bussen grundsätzlich nicht möglich ist.

Ausgehöhlter Bahndamm muss saniert werden
Auslöser der Sperrung sind Dachsbauten im Bahndamm nördlich von Deidesheim. Die Tiere graben
zum Teil komplexe und umfassende Höhlensysteme und haben dort einen instabilen Untergrund der
Bahnstrecke verursacht. Die Kritik des ZÖPNV richtet sich also nicht gegen die Sanierung an sich,
sondern gegen das Vorgehen der DB InfraGo im vorliegenden Fall.


So war die Sperrung ab Juli 2025 vor rund zwei Jahren von der DB InfraGo selbst festgelegt und die
Sanierung während der verkehrsreichen Zeit mit Weinfesten und Bad Dürkheimer Wurstmarkt als
unumgänglich bezeichnet worden.
Jetzt stellte man fest, dass die Dachse den Höhlenbau verstärkt
und offenbar räumlich ausgedehnt haben mit der Folge, dass sich in Randlage des Gleisbettes schon
Anlagenteile der Bahnstrecke verschoben haben.

Doch offenbar wusste man bei DB InfraGo schon seit Ende letzten Jahres Bescheid, dass sich die
Situation zugespitzt hat, unterließ jedoch die Information darüber, dass mit einer vorgezogenen
Sperrung zu rechnen sei. So müssen die Planer nun ad hoc das noch in Erarbeitung befindliche Er-
satzkonzept realisieren. Ausbaden werden es die Kunden müssen, die Anschlüsse verpassen und
nicht pünktlich ankommen werden.

Grundsätzlich ist zudem die Frage an den staatlichen Infrastrukturbetreiber zu stellen, warum es
überhaupt zu einer derart starken Unterhöhlung des Bahndamms durch die Dachse gekommen ist.
Diese entsteht nicht innerhalb weniger Wochen, sondern über einen längeren Zeitraum. Warum die
DB InfraGO diese Entwicklung nicht hat verhindern können, erschließt sich uns nicht.


Natura 2000/Vogelschutzgebiet –– DB will in der Brutzeit der Vögel den Damm roden
Außerdem gibt die DB InfraGo an, noch nicht einmal den bislang bekannten Sanierungsabschnitt ge-
rodet zu haben
. Er befindet sich im Bereich eines Natura 2000/Vogelschutzgebietes. Nun erwartet die
DB für den gesamten, nun erweiterten Sanierungsabschnitt die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung,
um während der Brutzeit der Vögel den Bahndamm roden zu können.

Nach Auffassung des ZÖPNV Süd hatte die DB bis Ende Februar ausreichend Zeit, um die Rodungen
durchzuführen – ohne besondere Ausnahmegenehmigung. Die diesbezüglichen Vorgaben des Bundes-
naturschutzgesetzes gelten seit Jahrzehnten, jeder Gartenbesitzer weiß, dass jedes Jahr ab 1. März
Rückschnitte und Rodungen verboten sind. Die Eingriffe in das Vogelschutzgebiet wären bei fachge-
rechter Vorgehensweise geringer ausgefallen und dadurch möglicherweise besser verantwortbar. Aber
das staatliche Unternehmen hat schlicht nichts zurückgeschnitten und gerodet und – so der sich nach
Auffassung der Geschäftsstelle des ZÖPNV aufdrängende Eindruck - darauf vertraut, dass man die
Schutzwürdigkeit des Gebietes als weniger wichtig als die Sanierung der Bahnstrecke betrachtet.
Und die DB InfraGo erklärte in den Gesprächen schon jetzt, dass der an sich üppige Sperrzeitraum
von zunächst sieben und nun neun Monaten nicht ausreichen könnte und mit einer noch längeren
Sperrung zu rechnen sei.


Entscheidung über Ausnahmegenehmigung steht aus
Die schwierige Entscheidung darüber, ob trotz Vogelbrutzeit im Schutzgebiet gerodet und anderwei-
tig gearbeitet werden darf, müssen nun die Naturschutzbehörden treffen. Die Hoffnungen darauf,
dass eine mögliche frühere Sperrung auch zu einem Vorziehen der Sperrphase und dadurch zu einer
früheren Wiederaufnahme des Verkehrs führen würde, dämpft die DB InfraGo: Es handele sich um
eine Spezialfirma, man versuche für den Fall, dass man die Ausnahmegenehmigung für die Eingriffe
bekomme, einen früheren Start.
Es könnte also die Situation eintreten, dass die Strecke drei Monate früher gesperrt wird und die Sanierung gar nicht startet.
:arrow: https://www.rolph.de/artikel/dachsbaute ... -duerkheim
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Die DB-Meldung aus Frankfurt am Main vom 11. März 2025 | 12:00 Uhr

Massive Dammschäden durch Dachse:
Bahnstrecke Deidesheim – Bad Dürkheim ab 17. März vorsorglich für Zugverkehr gesperrt

Sanierung der Infrastruktur ursprünglich vom 11. Juli – 13. Dezember geplant
• Weitere festgestellte Dachsbauten erfordern früheres Handeln • Stabilisierung
des Bahndamms auf 2500 Metern Länge erforderlich • Für Fahrgäste ab kommen-
den Montag Busse statt Bahnen im Einsatz


Aufgrund von massiven Schäden im Bahndamm, die durch Dachse verursacht wurden, können die
Züge ab dem 17. März vorsorglich nicht mehr über die Strecke Deidesheim – Bad Dürkheim fahren.
Für die Fahrgäste wird ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.
Schon in der Vergangenheit kam es auf Bahnstrecken im Bereich Rheinhessen und Weinstraße zu
Schäden durch Dachsbauten – etwa bei Freinsheim. Zur Stabilisierung der Dämme und für einen
weiter verlässlichen Verkehr auf der Schiene hatte die DB hier 2022 und 2024 bereits Sanierungs-
maßnahmen umgesetzt.
Vom 11. Juli bis 13. Dezember sollte auch zwischen Deidesheim und Bad
Dürkheim auf einer Länge von rd 1.900 Metern eine Instandsetzung beschädigter Dammbereiche
durchgeführt werden.

Aufgrund verstärkter Grabtätigkeiten der Dachse musste dieser Bereich jedoch auf insgesamt 2,5 Kilo-
meter erweitert werden und es ist vorsorglich eine frühere Streckensperrung erforderlich. Die DB steht
im engen Kontakt mit den zuständigen Behörden, um kurzfristig die notwendigen umwelttechnischen
Genehmigungen für den betreffenden Gesamtbereich zu erwirken. Zudem wird mit den Behörden, Pla-
nern und Baufirmen unter Hochdruck daran gearbeitet, die für die Sanierung zunächst erforderlichen
Vegetationsarbeiten und die Reparatur des erweiterten Streckenabschnitts zu realisieren
.
Die Deutsche Bahn bittet die Fahrgäste für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung.

:arrow: https://www.deutschebahn.com/de/presse/ ... t-13316570#

edit: Überschrift angepasst, da weitere Strecken von Sperrungen betroffen
Zuletzt geändert von eta176 am Sa 22. Mär 2025, 11:33, insgesamt 1-mal geändert.
eta176
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Dachsbauten in der Pfalz ... und kein Ende ;-((

Beitrag von eta176 »

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Die DB muss endlich handeln, findet Hartmut Reitz, Leiter des SWR Regionalstudios Ludwigshafen:
Das Dachs-Desaster in der Pfalz
Stand: 14.3.2025, 14:31 Uhr
:arrow: https://www.swr.de/swraktuell/rheinland ... z-100.html
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Die nachfolgende Pressemeldung des ZÖPNV Rheinland-Pfalz Süd (von
Freitag, 14 März 2025 15:37) habe ich nur beim LOK Report gefunden
(seit dem heutigen Montag auch bei "rolph" | Link zu ident. Inhalt s.u.):

Der eingestürzte Dachsbau im Bereich Landau führt zu
voraussichtlich längeren Störungen des Bahnverkehrs


Die aufgrund eines eingestürzten Dachsbaus im Gleisbereich gesperrte Bahn-
strecke Landau – Winden wird nach aktuellem Stand auch in den kommenden
Wochen nicht vollständig befahrbar sein. Die DB InfraGO prüft weiterhin die
Möglichkeiten, das bislang nicht angegriffene Gleis der zweigleisigen Strecke
für einen wenigstens rudimentären Notfahrplan nutzen zu können.

Ferner prüft sie, welche Maßnahmen sinnvoll und notwendig sind, um die Sta-
bilisierung und anschließende Sanierung des Bahndamms vorzunehmen und wie
diese mit naturschutzrechtlichen Vorgaben in Einklang gebracht werden können.
Belastbare Aussagen darüber, wann der reguläre Betrieb wieder aufgenommen
werden kann, sind vor diesem Hintergrund schwierig. Die aktuellen Schätzungen
schwanken zwischen mehreren Wochen und etwa drei Monaten.

In den nächsten Tagen wird DB Regio den Bus- und Zugverkehr weiterhin nur ad hoc
regeln können. Ziel ist es, baldmöglichst einen belastbaren Ersatzfahrplan einzu-
führen. Derzeit kann jedoch nicht festgelegt werden, ob wenigstens einzelne Züge
die Strecke auf dem freien Gleis planmäßig nutzen können und ob der heute durch-
geführte Test mit einem morgendlichen Zugpaar der Linie RE 6 eine tragfähige Inte-
rimslösung darstellt.
Die DB Regio als das mit dem Regionalverkehr beauftragte Unternehmen führt den
Notverkehr mit Bussen deshalb weiter.
Aktuell fahren Züge von Neustadt nach Landau sowie von Winden nach Karlsruhe.
Auch die beiden Stichstrecken von Winden nach Bad Bergzabern und Wissembourg
werden mit Zügen befahren, zum Teil aber ohne Anschlüsse von und nach Karlsruhe
und Landau/Neustadt/W. Es ist jedoch davon auszugehen, dass mit dem Übergang in
einen mittelfristigen Ersatzfahrplan auch eine Änderung der Fahrzeiten der Züge rd.
um Landau verbunden sein könnte, um Anschlüsse wieder herzustellen. Sobald dieser
Ersatzfahrplan erarbeitet ist, werden ZÖPNV Süd und DB Regio darüber informieren.

Ferner gilt unverändert, dass durch diese unvorhersehbare Sperrung die Fahrzeug- und
Personalumläufe aus den Fugen geraten sind, wodurch es auch auf den benachten Stre-
cken rund um Landau bis nach Pirmasens und Neustadt sowie von Winden Richtung Bad
Bergzabern, Wissembourg und Wörth/Karlsruhe zu vorübergehenden Beeinträchtigungen
kommen kann.
https://www.lok-report.de/news/deutschl ... kehrs.html

Nachtrag der beiden Meldungen des ZÖPNV Süd bei rolph:
Erstmeldung: https://www.rolph.de/artikel/nun-landau ... n-dachsbau
Inhaltsgleiche Meldung zu LOK Report: https://www.rolph.de/artikel/der-einges ... hnverkehrs
.
eta176
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Registriert: Do 21. Jun 2007, 19:52

Seit 20.03. auch Landau - Winden komplett gesperrt

Beitrag von eta176 »

Am Freitag, 21. März 2025, 12:25 Uhr veröffentlicht die DB-Pressestelle Frankfurt folgendes:

Umfangreiche Dachsschäden zwischen Winden und Landau:
Beide Streckengleise vorsorglich für Zugverkehr gesperrt

Für genaues Schadensbild Vegetationsrückschnitt mit besonderer Genehmigung erforderlich
• Stabilisierung des Bahndamms und präventive Maßnahmen gegen Wiedereinzug der Dachse
im Anschluss • Prognose zu Dauer und Umfang der Arbeiten kommende Woche möglich • Für
Fahrgäste zunächst Busse im Einsatz

Große Dachsschäden im Bahndamm der Pfälzer Strecke Winden – Landau haben dazu geführt,
dass hier seit dem 20. März keine Züge mehr fahren können. Für die Fahrgäste ist ein Ersatz-
verkehr mit Bussen eingerichtet. Informationen dazu unter bahn.de/aktuell.

Die ganze Meldung:
https://www.deutschebahn.com/de/presse/ ... --13323132
.
buraeepp
Obersekretär A7
Beiträge: 263
Registriert: Fr 24. Mai 2019, 09:32
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Re: "Einstürzende Dachsbauten": DB sperrt mehrere Strecken in der Pfalz

Beitrag von buraeepp »

Auf der Illertalbahn im Allgäu hatte man letztes Jahr zwischen Sonthofen und Altstätten auch Probleme mit Dachsen und Bibern, die es sich im Bahndamm gemütlich gemacht haben, dort dauerte die Sperrung so etwa drei Monate. Mal sehen was in der Pfazz dabei rauskommt. Danke für deine Info.
Grüße aus dem Taunus
buraeepp

Mein Fotostream bei flickr: https://www.flickr.com/photos/buraeepp/
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