Er wurde von 1960 bis 1963 unter größten militärischen Sicherheitsvorkehrungen erbaut.
Gestern traf ich einen Zeitzeugen, Jahrgang 1935, der damals in der Bauleitung beschäftigt und für den Baustahl zuständig war.
Er berichtete mir folgendes:
Für den Rohbau benutzte man Spezial-Bewehrungsstahl mit im normalen Handel nicht erhältlichen 42 Millimeter Durchmesser. Eine Spezialanfertigung. Hersteller war eine Andernacher Firma.
Angeliefert wurde der Stahl per Bahn an den Bf Thalfang, dort wurde er auf LKW umgeladen und zur Baustelle gefahren, das alles unter größten Sicherheitsvorkehrungen.
Züge, Lkw sowie der Umlade- und Transportvorgang waren von dutzenden bewaffneten Soldaten bewacht, alle Mitarbeiter hatten Sonderausweise, gelegentlich gab es stichprobenartig Leibesvisitationen, insbesondere um Fotoapparate aufzuspüren, denn Fotographieren war mit der Aussicht auf sofortige Festnahme streng verboten.
Selbst im Thalfanger Stellwerk postierten sich Feldjäger und amerikanische MP mit umgeschnallter Maschinenpistole, ein älterer Fdl, der hier kurz vor der Pensionierung noch Dienst tat, kam morgens schon mit Angstschweiß auf der Stirn zum Dienst, auch im Winter, so nahm ihn das mit.
Mein Zeitzeuge wurde einmal kurzzeitig von der MP verhaftet, weil er entlang der Transportstrecke mit dem Ford Taunus am Waldrand hielt, um auszutreten. Sowohl das Auto schlechthin erregte Aufsehen, als auch das ZEL-Kennzeichen (er stammte aus dem Raum Büchenbeuren, aber rund um Thalfang gab es seinerzeit nur BKS- bzw. TR-Kennzeichen und neue Autos waren selten).
Nach einem kurzen Telefongespräch vom Bahnhof an die Wache der Baustelle klärte sich das ganze, auch bestätigte sich die Echtheit der Ausweise.
Die Nerven lagen blank - in der Hochphase der Kuba-Krise fuhren gelegentlich sogar Soldaten auf den Loks mit, weil man Anschläge auf die Versorgungs- und Baustoffzüge befürchtete.
Viele der eingesetzten US-Offiziere mißtrauten den Deutschen, so wurde der ältere Fdl einmal gefragt, ob er denn schon unter den Nazis Bahnbeamter war und ob er auch KZ-Züge z.B. nach Hinzert-Pölert abgefertigt habe, was den alten Mann sichtlich erregte.
Wieder andere US-Soldaten erkundigten sich ernsthaft beim Bahnpersonal, ob man noch alte Uniformen mit Hakenkreuz habe und ob man die kaufen könne...

Turbulente Jahre in Thalfang müssen das gewesen sein.
Auf jeden Fall will mein Zeitzeuge doch noch einmal nach Fotos suchen, denn einige mußten wohl zu Gewährleistungs- und Dokumentationszwecken doch angefertigt werden, natürlich unter Zusicherung größter Diskretion.
Aber ich denke, die Sache ist heute verjährt...

Wenn ich Neues zum Thema erfahre, werde ich hier wieder berichten, aber vielleicht können sich ja auch andere Forianer mal umhören.