Ach sieh da, der Herr Staus:
Der Bahnschwätzer Staus hat geschrieben:Sehr geehrter Herr Lauten,
Herr Dr. Grube hat mich gebeten, Ihren Brief zu beantworten.
Die SWR-Sendung hat zu einer Vielzahl von Mails engagierter Zuschauer geführt, die ich
allesamt recht ausführlich beantwortet habe. Zum Teil waren vorher weitergehende Recherchen
zu detaillierten regionalen Themen erforderlich. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich darüber
hinaus keine Mails beantworten kann, die als Reaktion auf meine Antwort verschickt wurden.
Zu Ihrem Brief an Dr. Grube möchte ich noch anmerken, dass er als Vorstandsvorsitzender
seit seinem Amtsantritt von fünf Jahren unermüdlich durch die Regionen fährt - natürlich fast
immer mit der Bahn - und sich im Gespräch mit Mitarbeitern aller Hierarchien über die Themen
vor Ort informiert und zu erfahren, wo der Schuh drückt. Aus eigener Anschauung kann ich
versichern, dass er dabei ein erstaunliches Pensum bewältigt - trotz der zahlreichen
Verpflichtungen, die man als Chef eines Unternehmens mit 300.000 Mitarbeitern noch so hat.
Wenn Sie schreiben, dass die Bahn in der Fläche "ein verheerendes Bild" abgibt, kann ich
das als Bahnmitarbeiter mit 32 Dienstjahren nur als Zustandsbeschreibung für die Zeit vor der
Bahnreform gelten lassen. Gerade im europäischen Vergleich fällt mir - außer der Schweiz - kein
Land ein, dass auch in strukturschwachen Regionen einen derart dicht vernetzten, vertakteten
und mit modernen Fahrzeugen ausgestatteten Nahverkehr bietet.
Mit freundlichen Grüßen
Achim Stauß
Stellv. Leiter Konzernpressestelle (GKK)
Das durfte nicht unkommentiert bleiben, auf Dauer finde ich diesen Kampf gegen die Windmühlen jedoch ermüdend und leider nicht wirklich zielführend, und so schrieb ich ihm ein letztes mal zurück:
Dieselpower hat geschrieben:Sehr geehrter Herr Staus,
vielen Dank für ihre (erneut leider wenig aussagekräftige) Antwort. Sie war weder informativ, noch zeigte sie Anzeichen von Kritikbereitschaft und Verständnis. Denkanstöße zu geben hat offenbar nicht funktioniert.
Wie gewohnt haben sie (völlig isoliert) einen einzelnen Kritikpunkt herausgegriffen, und ihn ein- maximal zweidimensional beantwortet. Und auch hier erlaube ich mir, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Aber das werden Sie ja auch wieder nicht gelten lassen. Daher beschließe ich von meiner Seite diese sinnlose Kommunikation, ich vergeude meine Zeit. Und wenn Sie als Sprecher gezielt an Sie adressierte Mails nicht beantworten können, oder wollen, sollte man diesen (und andere) Schriftwechsel vielleicht wieder den Medien zuführen. Stoff genug für eine abendfüllende kontroverse Diskussion wäre allemale vorhanden. Aber um nun noch einmal auf ihre jetztige Antwort einzugehen:
Mag ja sein, daß das Netz relativ dicht ist, die Fahrzeuge modern (und „saubequem“ mit stoffbezogener Holzklasse und defekten Klimaanlagen - und manchmal schon nach 10 Jahren reif für den Shredder) sind, und der Takt ein Vorteil (Wenn man nicht eine Relation bereist, auf der man IMMER 57 Minuten warten muß). Die Zeit vor der Bahnreform jedoch so zu verunglimpfen spricht nicht gerade für Ehrlichkeit Ihrerseits. Jedenfalls gab es vor 32 Jahren:
- Strecken, die aus mehr als einer Abzweigweiche, 20 km Eingleisigkeit und einem Prellbock bestanden
- Ohnehin noch wesentlich mehr Strecken in der Fläche als heute
- An unzähligen kleineren Stationen Ansprechpartner vor Ort, die (nicht rund um die Uhr, aber zu den wichtigsten Zeiten) in Sachen Gepäck, Auskünfte, Fahrkarten und auch am Bahnsteig zu Hilfe standen
- Bahnsteigschmuck (Blumenkästen etc.) statt Farbschmierereien und Vandalismusschäden auf einem entmenschten Betonhaltepunkt, an dem man defekte Beleuchtung selbst melden muß
- Weitaus weniger verfallene, zweckentfremdete und verscherbelte Bahn(hofs)gebäude
- Kurswagen- und attraktive Direktverbindungen in die wichtigsten Urlaubsregionen
- Wirklch komfortable (und nicht mit Blenderschnickschnack wie Steckdosen und anderem Krempel vollgestopfte) Reisezüge, die noch „Reisen“ erlaubten, und die auch stets ihr Ziel erreichten
Vielleicht fuhr nicht exakt (HAHA!) jede Stunde eine Plastikbahn hin und her, und vielleicht war es auch am Wochenende auf vielen Strecken sehr still, aber dafür gab es Eilzüge, die Regionen verbanden und anschlossen, man konnte aber Sonderzüge einlegen – insbesondere bei vorhersehbarem Mehrandrang, die DB AG wird ja jedes Jahr aufs Neue von Karneval, Weihnachten und ähnlichem überrascht….Heute würden Sonderzüge schon an der kastrierten Infrastruktur scheitern. Und die Bahn vor 32 Jahren war zuverlässig – zu jeder Jahreszeit. Wenn es Sie interessiert – was ich nicht glaube, lasse ich ihnen gerne Bildmaterial über den dilettantischen Umgang mit Herbst und Winter der letzten Jahre zukommen. Das hätte es zu Zeiten der gescholtenen „hochdefizitären“ Bundesbahn nie gegeben. Aber erneut verschweigen Sie, in WELCHEM Bereich bei der Bahn Sie tätig waren – vermutlich als einer der Schreibtischtäter, die schon vor 32 Jahren den Rotstift schwangen. Im reibungslos funktionierenden Betriebsdienst ganz gewiß nicht, sonst würden Sie nicht so reden!
Aber wie gesagt, ich sehe es ein, es ist sinnlos, werden Sie glücklich mit Ihrer Plastikbahn, Ihrem Stuttgarter Mega-U-Bahnhof (Das wird ein Fiasko, ich freue mich heute schon drauf!), Ihrem Auto+Zug zu Lasten der Allgemeinheit (Straßenverschleiß), dem DB-Fernbus (Aber nicht das Jammern über die verlorenen Marktanteile vergessen!) und ihren Projekten in Arabien und Timbuktu. Vielleicht klappt es ja auch noch mit der Börsenbauchlandung – viel Glück! Ich habe es ohnehin fast aufgegeben. Wenn alles vor die Wand gefahren ist, kann man ja immer noch in den Luftverkehr einsteigen…BER läßt grüßen! Denken Sie aber dran, wenn alles Volksgut verscherbelt ist, kann man keine Zahlen mehr schummeln….Es sind halt mittlerweile überwiegend Lobbyisten und Politiker in den wichtigsten Etagen von Post, Bahn usw. – da wird sich für die Interessen der zahlenden Kundschaft (des Wählers, des Steuerzahlers…) ja ohnehin nicht interessiert. Schweben Sie weiter auf Ihrer Wolke und freuen Sie sich über Ihre Hochglanzplastikbahn – ich warte derweil wieder im Regen (z.B. in Au/Sieg – Umsteigebahnhof mit 3000 Reisenden/Tag, aber ohne Toilette und Warteraum, aber dafür mit verbrettertem Bahnhofsgebäude mit privatem Reisezentrum – auf der wirtschaftlichen Kippe wegen schlechter Vergütung durch DB/TBNE – und mit Horrormieten weggeekelter Gastronomie) auf das Elent…Äh den E-Talent 2, der wegen Türstörung mal wieder irgendwo hängengeblieben ist…
Mit nachdenklichen Grüßen
Marko Lauten
PS: Wenn Ihnen außer der Schweiz kein Land mehr einfällt, in dem es service- und kundenorientierte Bahnen und gepflegte Anlagen gibt, sollten Sie dringend einmal Ihre Urlaubspläne modifizieren, ich empfehle die BeNeLux-Länder, das oft gescholtene Großbritannien (wo man den Rückwärtsgang bereits schon lange erfolgreich eingelegt hat), Österreich usw.
Und nun höre ich wirklich auf, ich muß noch meine BahnCard First bezahlen, wenn ich auch nicht genau weiß, wofür eigentlich noch – der Preisunterschied wird immer größer, der Qualitätsunterschied immer geringer. Auch hier sei ein Blick über den Zaun – z.B. nach GB – sehr empfohlen, aber das erwähnte ich ja bereits in der Mail, die sie nicht beantworten wollen.
Nun ist aber wirklich Schluß, ich mag nicht mehr – völlig sinnlos! Vielleicht sieht man sich vor der Kamera mal wieder – oder auch nicht! Auch das wäre nur ein Strohfeuer, es würde ohnehin nach etwas medienwirksamem Geplänkel weiterlaufen wie bisher.
So, das wär's in dieser Angelegenheit, es hat keinen Zweck, der Protest in der Bevölkerung ist einfach zu gering in diesem Autoland!
„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
Albert Einstein
"Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich...!"
Konrad Adenauer